05.12.2018

Bevor der Umzugswagen in die Heimat rollt

Studie belegt: Brandenburg-Rückkehrer sind mit ihrer Entscheidung zufrieden. Netzwerk „Ankommen in Brandenburg“ zeigt sich bei Fachtagung in Guben auf einem guten Weg.

VON CHRISTIAN TAUBERT GUBEN

„Guben tut gut“ heißt jene Initiative, mit der sich die Stadt an der polnischen Grenze seit einiger Zeit um Rückkehrer bemüht. Durchaus erfolgreich, wie Bürgermeister Fred Mahro (CDU) vor Vertretern von 14 Rückkehrer-Initiativen aus ganz Brandenburg erklärt. Der Rathauschef weiß, dass es natürlich zuerst der Job ist, der einst Weggezogene wieder zurück in die Heimat holen kann. „Das ist sicher entscheidend“, sagt Mahro. Er verweist aber auch auf das soziale Umfeld - die Familie und Freunde, die in der Ferne oft gefehlt haben. Und er nennt Kita-Betreuung und Wohnung, die passen müssen, wenn der Umzugswagen in die alte Heimat rollen soll.

Auf der Fachtagung des Netzwerkes „Ankommen in Brandenburg“, dem Dach und Sprachrohr aller bisherigen 14 Rückkehrer-Initiativen im Land, sagt Mahro da nichts Neues. Aber im Volkshaus Guben wollen alle voneinander lernen und mitteilen, wo die Säge noch klemmt. Gubens Bürgermeister, der das Engagement der Landesregierung in diesem Bereich lobt, spricht deshalb auch darüber, dass der Fachkräftemangel und der Strukturwandel in der Lausitz „den Initiativen in die Karten spielen“. Wo neue Job entstehen, würden sich attraktive Möglichkeiten zur Rückkehr bieten. Was Mahro unter den Nägeln brennt: „Wir werden in Guben weitere vier komplette Wohnblocks zurückbauen. Und das, wo es jenseits der Neiße in Gubin Wohnungsnot gibt.“ Das tue ihm in der Seele weh. Hier seien grenzüberschreitende Lösungen gefragt.

Während Mahro das Forum mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) nutzt, um auch dieses Problem anzusprechen, greift der Regierungschef die sich ergebenden Chancen durch den Strukturwandel in der Region auf. „Denen, die ihre Heimat vermissen, können wir sagen, dass sie sie jetzt mitgestalten können“, sagt Woidke mit Verweis darauf, dass die jungen Leute einst gegangen seien, weil es hier keine Jobs und keine Ausbildungsplätze gegeben habe. Das sei heute ganz anders. Die Lausitz müsse als eine von 41 Kohleregionen in Europa zeigen, dass Strukturwandel mit neuen guten Job gelingen kann. Da es beim Kohleausstieg um eine politische Entscheidung gehe, werde der Bund dafür die Mittel zur Verfügung stellen müssen.

Während über den Jahreswechsel wieder überall im Land Rückkehrer- Börsen als Informationsforen angeboten werden, hat das Netzwerk „Ankommen in Brandenburg“ beim sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg eine Studie zum Thema in Auftrag gegeben. Befragungsleiter Thomas Hanf hat den Vertretern der Initiativen landesweit ein äußerst gutes Gefühl vermittelt. Denn Rückkehrer ins Land Brandenburg sind mit ihrer Entscheidung, wieder in die alte Heimat zu kommen, „ausgesprochen zufrieden“. Die nicht-repräsentative Studie hat dafür Angaben von Befragten aus Guben, Finsterwalde und Wittstock von August bis Oktober 2018 ausgewertet. Danach betrage die Zufriedenheit mit der Rückkehr- Entscheidung 90 Prozent, die neue Lebenssituation werde von rund zwei Drittel der Befragten als sehr gut und gut bezeichnet.

Wenngleich es die erste derartige Erhebung im Land ist und damit Vergleiche fehlen, lassen sich für die Arbeit des Netzwerk und auch für die Politik durchaus Schlussfolgerungen ziehen. So aus der Beantwortung der Frage, welche Gründe Rückkehr oder Zuzug maßgeblich beeinflusst hätten. Hier rangiert die Nähe zur Familie (70 Prozent) klar vor der Partnerschaft (55), dem Wohnumfeld (35) sowie Freunden und Bekannten (25). Der Arbeitsplatz spielt den Angaben zufolge mit 18 Prozent eher eine Nebenrolle. Als Hinderungsgründe, den Weg zurück in die Heimat anzutreten, werden Abstiche bei Löhnen von bis zu 30 Prozent, Vorbehalte gegenüber der gesundheitlichen Betreuung (44 Prozent) oder dem schulischen Bildungsniveau (25 Prozent) angegeben.

Wenn allerdings gefragt wird, welche Hilfe sich Rückkehrer von den Initiativen vor Ort wünschen würden, lautet die Reihenfolge dagegen: bei der Jobsuche (73 Prozent), Wohnungssuche (61), Bauland (40), Schul- bzw. Kita-Platz (50) und Wohnungsmodernisierung (40). Das vor zwei Jahren gebildete Netzwerk „Ankommen in Brandenburg“ und dessen Finsterwalder Koordinator Sven Guntermann sehen sich auch aufgrund der Ergebnisse der Studie auf dem richtigen Weg. Die 14 Initiativen „bei den Profis vor Ort zu belassen“, sei ebenso sinnvoll gewesen, wie über das Netzwerk „mit einer Stimme zu sprechen“, erklärt Guntermann in Guben. Das treffe auch darauf zu, Rückkehrer dafür zu gewinnen, dass sie in den Initiativen mitarbeiten und selbst für ihre neue, alte Heimat werben.

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